Rechtliches:

 

Verletzte oder verwaiste oder sonstwie hilfebedürftige Tiere darf ein Finder zur Notversorgung und Krankenpflege an sich nehmen. Dies ergibt sich aus § 45 Abs. 5 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG):

 

§ 45 Ausnahmen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
....
 
(5) Abweichend von den Verboten des § 44 Absatz 1 Nummer 1 sowie den Besitzverboten ist es vorbehaltlich
jagdrechtlicher Vorschriften ferner zulässig, verletzte, hilflose oder kranke Tiere aufzunehmen, um sie gesund zu
pflegen. Die Tiere sind unverzüglich freizulassen, sobald sie sich selbständig erhalten können. Im Übrigen sind sie
an die von der für Naturschutz und Landschaftspflege zuständigen Behörde bestimmte Stelle abzugeben. Handelt
es sich um Tiere der streng geschützten Arten, so hat der Besitzer die Aufnahme des Tieres der für Naturschutz
und Landschaftspflege zuständigen Behörde zu melden. Diese kann die Herausgabe des aufgenommenen Tieres verlangen.
 
Nach dem Gesetz darf also jeder Finder ein Tier in Not annehmen und pflegen, soweit es sich nicht um streng geschützte Arten handelt. Die Pflege durch Privatleute macht jedoch auch bei den nicht streng geschützten Arten nur Sinn, wenn der Finder durch Fachwissen in der Lage ist, das Tier selbst zu pflegen. Ansonsten hilft nur die Abgabe in einer geeigneten Pflegestelle. Ein Laie kann viel falsch machen und dem Tier mehr schaden als nützen. Unsachgemäße Versorgung hat oft den Tod des Tieres zur Folge.
 
Bitte beachten Sie im Gesetz den Zusatz "vorbehaltlich jagdrechtlicher Vorschriften". Dieser besagt nämlich, das jagdbares Wild nur aus der Natur entnommen werden darf, wenn das Einverständnis des Jagdpächters vorliegt. Haben Sie bereits ein Tier unerlaubt aus der Natur entnommen, holen Sie das Einverständnis bitte umgehend nach. Nach meiner Erfahrung haben Jäger nichts gegen die Pflege von Wildtieren, wenn das Tier in eine sachkundige Pflegestelle kommt. Von unkundigen Eigenversuchen würden wir Ihnen jedenfalls abraten. Da ist auch der Jäger in aller Regel nicht begeistert, eben weil dem Laien das Fachwissen fehlt und hier durch eigenmächtige Therapieversuche mehr Schaden als Nutzen entstehen kann.
 
Es ist im Bedarfsfall immer ein wildtierkundiger Tierarzt oder eine wildtierkundige Pflegestelle zu Rate zu ziehen.
 
Das Vorrecht des Jägers ergibt sich aus § 1 Abs. 1 des Bundesjagdgesetzes:

 


§ 1
Inhalt des Jagdrechts
 
(1) Das Jagdrecht ist die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem
Jagdrecht unterliegen, (Wild) zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Mit dem Jagdrecht ist
die Pflicht zur Hege verbunden.
 
 
Bitte beachten  Sie auch folgende Bestimmung im Tierschutzgesetz, wenn Sie ein Wildtier selbst aufziehen:
 
Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis

§ 3

Es ist verboten,
....
4.
ein gezüchtetes oder aufgezogenes Tier einer wildlebenden Art in der freien Natur auszusetzen oder anzusiedeln, das nicht auf die zum Überleben in dem vorgesehenen Lebensraum erforderliche artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst ist; die Vorschriften des Jagdrechts und des Naturschutzrechts bleiben unberührt,
     ....
 
 
 

Bitte setzen Sie niemals eine Handaufzucht einfach so in Ihren Garten und erwarten Sie, dass das Tier überleben kann. Handaufzuchten haben keinerlei Fluchtverhalten. Sie würden ihren Fressfeinden  nicht davon fliegen / laufen. Auch muss das Tier erst die eigenständige Nahrungssuche erlernen. Bei fast allen Tierarten ist es nötig, das Tier in einer sogenannten Auswilderungsvoliere an die Natur zu gewöhnen: An das Klima, an die richtige Verhaltensweise, die eigenständige Nahrungssuche (von Näpfen auf verstreute (Lebend-)Nahrung umsteigen). Die  Flugmuskulatur muss nach einer Aufzucht im Käfig trainiert werden., damit der Vogel gut und sicher fliegen und im Ernstfall seinem Fressfeind davon fliegen kann. Der Abstand zur Pflegeperson / anderen Menschen muss gewonnen werden. Ein handzahmes Tier wird womöglich von Tierhassern erwischt und getötet. Vögel, die während der Aufzuchtphase Gefiederbruch erlitten haben,müssen in einer geeigneten Freilandvoliere erst noch einmal durchmausern, ehe sie in die Natur zurück kehren dürfen.

 

 

 

 

Wenn Sie eine Handaufzucht auswildern wollen, informieren Sie sich bitte beim Fachmann und riskieren Sie nichts! Am besten ist es, Sie geben Ihren Pflegling in einer Auffangstation für Wildvögel ab oder bauen selbst eine Auswilderungsvoliere in einen geeigneten Garten. Denn nicht jeder Stadtgarten taugt für jede Tierart. Das Tier  kann nur dort überleben,  wo es seinen natürlichen Lebensraum geboten bekommt.